Amnestie für die Kurve?
Jedes Wochenende das gleiche Bild: Tausende Fans pilgern in die Stadien der Bundesliga um ihre Mannschaft zu unterstützen und sich selbst zu feiern. Doch in letzter Zeit kommt bei vielen das Gefühl auf, dass die Unterstützung der Mannschaft mehr und mehr zur Nebensache wird. Duelle gegen Polizei und gegnerisches Fanlager gehören heute anscheinend zum guten Ton der Fanszene.
Die zweite Runde im DFB-Pokal bietet stellvertretend für den gesamten Fußball zwei Beispiele:
Am Dienstag spielte Dynamo Dresden auswärts in Dortmund. Auf dem Platz war die Geschichte nach wenigen Minuten klar, einigen Anhängern Dynamos anscheinend schon im Vorfeld, was 15 Minuten verspäteten Anpfiff und 3 Unterbrechungen erklärt.Dieses Video, welches kaum veröffentlicht wurde um das negative Verhalten von Fußballfans aufzuzeigen beweist, welche Zustände teilweise bei Spielen in Deutschland herrschen. Wir haben nach wenigen Minuten aufgegeben alle Bengalos, Rauchbomben und Böller zu zählen. Jeder sieht die Aggressivität die von einem nicht zu vernachlässigbarem Teil der Dresdner Fans ausgeht. Und das endet in 150.000 € Sachschaden und etlichen verletzten Fans und Polizisten. Neben einer empfindlichen Strafe durch den DFB erwartet Dynamo wohl auch eine saftige Rechnung von BVB-Boss Watzke.
Zweites Beispiel das Pokalspiel der Lauterer gegen die Eintracht aus Frankfurt. Allen bekannt das gute Ende für die Pfälzer auf dem Platz. Neben dem Spielfeld allerdings auch hier wenig positives. Das Team von fck-blog.de war selbst vor Ort und musste schon im Vorfeld staunen, was die Frankfurter Polizei veröffentlicht. Ist es heute schon soweit, dass man sich in Frankfurt nur noch in Gruppen bewegen kann, aus Angst verschlagen zu werden oder seinen Schal das letzte Mal gesehen zu haben? Anscheinend. In Frankfurt angekommen bot sich genau das Bild, was jeder erwartet hatte. Polizei, Pfefferspray, Böller, Bengalos, Hass und Gewalt. Kaum im Block, der erste Zwischenfall. Ordner hinderten Lautrer Ultras daran ihre Blockfahnen aufzuhängen, was natürlich in einer großen Schlägerei mit Polizeieinsatz endete. Völlig unverständlich von Frankfurter Seite warum Zaunfahnen verboten wurden. Absolut Grundlos. ABER: Wenn ich weiß, es ist verboten, dann halte ich mich daran und versuche nicht mit aller Gewalt meinen Willen durchzusetzen. Einen Ordner anzugreifen, weil dieser das Verbot durchsetzen MUSS ist arm. Darauf folgte natürlich erwartungsgemäß eine “kleine” Pyroshow, die Wayne Harrison vor Neid erblassen lassen würde.
Geprägt war dieser Abend von Gewalt und absolut irrationalem Verhalten. Aus unserer Sicht haben sich die Frankfurter überraschenderweise zurück gehalten. Leider waren diejenigen, die es maßlos übertrieben haben die mitgereisten Lautrer.
Diese Beispiele zeigen, was in der heutigen Fußballszene normal ist. Kaum ein Wochenende vergeht ohne solche Schlagzeilen. Doch diese Woche scheint etwas anders. Normalerweise kommentieren die Verantwortlichen solche Aktionen nur sporadisch. Strafen durch den DFB werden anstandslos bezahlt und jeder hat ein Interesse, dass durch solche Aktionen kein großes Aufsehen erregt wird. Vor allem Hans-Joachim Watzke und Stefan Kuntz empören sich öffentlich über das Verhalten der Fans. Watzke hat es leicht und muss nur über Dynamo schimpfen. Doch Kuntz geht einen unbequemen Weg und empört sich über die eigenen Fans:
“Es ist unverständlich, dass diese Leute einerseits von uns den Fortbestand des Namens Fritz-Walter-Stadion fordern, andererseits aber die Werte und die Tradition, die Fritz Walter verkörpert hat, mit Füßen treten”, so Kuntz nach dem Spiel.
Gemeint sind die Lautrer Ultras die sich vehement für den Namen Fritz Walter stark machen und gleichzeitig alles tun um seinen Ruf zu zerstören. Es wird sich darüber echauffiert, dass ein Mall Betreiber Werbung mit dem Konterfei unseres Idols macht. Es wird begrüßt, dass die GL einen Fanpreis ablehnt. Und gleichzeitig legen immer mehr Fans solch ein Verhalten an den Tag.
Grundsätzlich verändert sich die Fanszene ständig. Jugendliche, denen wir noch nicht einmal ein Bier verkaufen würden, stehen im Stadion vermummt auf dem Zaun und wedeln mit Bengalos. Wir können uns noch an Zeiten erinnern, da wurde im Block ein Bengalo unauffällig gezündet, und auf den Boden gelegt. Heute werden die Fackeln ungeniert in der Hand gehalten, im Bewusstsein vollständiger Amnestie der Kurve. Ordner die sich nach Pyroeinsatz in den Block trauen sind lebensmüde. Die Polizei filmt und hält sich im Hintergrund um eine Massenschlägerei und die damit verbundene Panik im Block zu vermeiden. Es werden selten einzelne gefasst und bestraft. Meist haftet der Verein und somit alle anderen unschuldigen Fans.
Allerdings muss man fairerweise sagen, dass Randale und Gewalt nicht immer einzig und allein von Fanseite starten. Beim letzten Heimspiel wurde sich erstaunlich oft über den Einsatz der Polizei beschwert. Freiburger suchen sogar Zeugen um einen Zwischenfall, bei dem ein Fan schwer verletzt wurde, aufzuklären. Schon zu oft haben wir selbst miterlebt, wie unverhältnismäßig mancher Polizeieinsatz abläuft.
So geht es nicht weiter. Auswärtsfahrten dürfen keine Plattform für frustrierte Polizisten und überhebliche Randalierer sein. Der DFB muss den Dialog mit den Ultras suchen und eine Lösung für die Pyrotechnik finden. Wie soll es sonst enden? Wenn jemand bei Randale und Pyro stirbt? Muss es soweit kommen?
Quelle: fck.de, youtube.de, ftd.de, kicker.de, bvb.de, eintracht.de,


Sehr guter Bericht, allerdings wäre ich vorsichtig das Zünden von Pyro mit Gewalt und Randale gleichzusetzen. Dass es so ausartet, daran hat auch der DFB schuld. Ich empfehle euch daher diesen artikel vom Spiegel :
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,794382,00.html
Auch diesen Artikel haben wir natürlich gelesen David! Aber eine solche strikte Trennung wie es der Spiegel macht ich auch nicht richtig! Persönlich Erfahrungen zeigen, dass Ultras nicht nur zündeln und Hools nur schlagen. Gerade in Frankfurt waren im Block viele bekannte Gesichter mitten drin und das waren eindeutig Utras. Trotzdem hast du natürlich recht, dass es gefährlich ist allgemein Ultras und Hools über einen Kamm zu scheren.