Anschauungsuntericht in Südostpolen
24. August 2007

Anschauungsuntericht in Südostpolen

Ladies and Gentlemen, ja, es ist soweit. Endlich kehrt die Stadionwurst zurück. Nach der endlos langen Sommerpause und der sich anschließenden „Fabe on Tour“- Tour hier und heute die erste Ausgabe im (Spiel)Jahr eins nach dem Trainer im Wolfspelz. Ihr fragt euch wo ich war, wo ich die ersten beiden, mehr oder weniger ernüchternden, Auftritte unserer Elf verfolgt habe? Ich war in Polen, genauer gesagt in der Nähe von Krakau, und zeitweise ganz froh, keinen DSF-fähigen Fernsehapparat in der Nähe gehabt zu haben. Denn die Ergebnisse aus dem Videotext reichten angesichts der Ergebnisse vollkommen (und zwar wirklich vollkommen) aus. Stattdessen übte ich mich in Polska im Scouting. Nachdem die Sportkameraden Neu und Wolf der Zweite ja bekanntlich nach der Saison stempeln gehen dürfen, sollte da ja ein Job frei sein….

Wie gesagt, ich trieb mich also auf einem Fußballspiel herum. Wisla Krakau gegen Gornik Zabrze. In langweiligen Stunden dürft ihr gerne mal den Versuch starten, diesen Vereinsnamen zehnmal hintereinander fehlerfrei und natürlich in der polnischen Version auszusprechen. Als Preis winkt ein Treffen mit dem ehemaligen Weltklasse-FCKler und jetzigen Krakauer Kamil Kosowski! Alle Exil-Polen und sonstige Muttersprachler sind von dem Gewinnspiel natürlich ausgeschlossen.

Aber Spaß beiseite: Ich, der übrigens mit vier polnischen Kumpels im Ultra-Block der Wisla-Anhänger stand, etwa zu vergleichen mit unserem 7.1er, hatte nicht das Vergnügen, das beste Spiel der Saison zu sehen. Mitnichten. Zwar ging Krakau nach nur zwei Minuten per Strafstoß in Front und legte wenig später noch zum 2:0 nach – Doch der zweite Durchgang bot nur noch wenig fußballerische Klasse – was vor allem am schwachen Gegner lag.

Bemerkenswert war aber etwas anderes: Der Support der Fans. Zu allererst der Einheizer – ein relativ junger, sympathisch aussehender Kollege (nein, ich fand ihn nicht auch noch attraktiv…) mit Megaphon machte über 90, und zwar wirklich über 90, Minuten richtig krass Stimmung. Ein Lied schloss sich an das nächste an, kein Vergleich zu unseren Fangebahren. Dann die Aufrufe: Natürlich bin ich nicht wirklich des Polnischen mächtig, aber mein „Dolmetscher“ klärte mich zwischendurch auf. Nach einigen Lachern des Publikums, die der Einheizer „verschuldete“, kam der Aufruf, zunächst keine Schmähgesänge dem Gegner gegenüber anzustimmen. Daumen hoch! Das Vorhaben hielt auch weitestgehend und wenn man die krassen Fanverhältnisse zwischen Anhängern rivalisierender Clubs in unserem Nachbarland kennt, dann ist das absolut wünschenswert. Nur ein Ausrutscher passierte: Ein Schal des Gegners wurde entflammt und die Löschaktion der Feuerwehr sorgte für große Unterhaltung unter den Zuschauern. Erst der Ex-Schalker und –Duisburger Tomas Hajto (übrigens bester Gästespieler) war mit seiner bekannt liebenswürdigen Art der Auslöser für einige Anti-Gesänge.

Noch interessanter fand ich aber eine andere Tatsache: Die Zusammenarbeit der verschiedenen Kurven. Was bei uns mit Müh und Not mit Teilen der Südtribüne funktioniert, klappt dort mit Ausnahme der Etepetete-Haupttribüne spitze. Gegenseitige Unterstützung an einer Tour. Daran sollten sich die FCK-Fans mal ein Beispiel nehmen. Erinnert sei nur noch einmal an das letzte Heimspiel der vergangenen Saison gegen Köln… Alles in allem war es also ein sehr lehrreicher Besuch für mich, auch wenn die Spieler, die ich gescoutet hatte, für den FCK unerschwinglich sein werden. Ach und übrigens: Unser Freund Kamil Kosowski war, na was wohl, verletzt.

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5 Kommentare zu “Anschauungsuntericht in Südostpolen”

  1. Riedl: ()

    Schön, dass du wieder da bist. Freu mich schon auf die Stadionwürste…

  2. Sebastian: ()

    Großartig, endlich gehts wieder los mit der Stadionwurst! Kleine Anregung für die nächste Stadionwurst: Deine Meinung zu Fromlowitz und Macho.

  3. ivan: ()

    haha Koswski war schon einer :-D
    Zu dem Support: Bei nem Derby gehts bei uns auch gut ab. Da freu ich mich schon auf Koblenz.

  4. Karneval im ‘60-Block » FCK-Blog: ()

    [...] die beiden Fangruppen mit der unserer, in die Kritik geratenden, zu vergleichen. Und auch mit den Wisla-Fans vom letzten Ausflug. Gesagt, getan, pünktlich um viertel nach Acht stand ich also im Löwen-Block (!), unweit [...]

  5. Stadionwurst on tour - Junior, tú papá!: ()

    [...] Zeit Abstinenz kehrt die Stadionwurst zurück, und sie hat einiges erlebt. Sie war nämlich mal wieder auf Tour, und dieses Mal so weit weg vom Betzenberg wie noch nie. In einem Land vor unserer Zeit, [...]

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