Der 18. Mai 2008
Sicherlich, es gibt einige Tage, an die man sich als FCK-Fan mit feuchten Augen erinnert. Die Meisterschaft 91 oder der grandiose Durchmarsch vom Aufsteiger zum Titelträger 98. Doch über all den großen Erfolgen, die die Roten Teufel in ihrer so traditionsreichen Geschichte erringen konnten, schwebt ein Datum: Der 18.05.2008.
Der FCK lag am Boden, war am Ende. Die Zweitliga-Saison 2007/2008 drohte zur schwärzesten aller Zeiten für den Verein zu werden. Sechs Spieltage vor Schluss, lag man mit 8 Punkten Rückstand zum rettenden Ufer auf einem Abstiegsplatz. Unser FCK in der 3. Liga? Diese Vorstellung lies selbst die hartgesottensten Fans vor Angst bleich werden. Doch es war (mal wieder) Zeit, Fußball-Geschichte zu schreiben…
Mit Milan Sasic hatte ein harter Hund das Kommando auf dem Betzenberg übernommen. Er löste den völlig glücklosen Norweger Kjetil Rekdal ab. Und Sasic griff zu drastischen Maßnahmen: Nach der 0:2 Heimniederlage gegen Hoffenheim, beorderte der Trainer seine Mannschaft vor die Westkurve. Die Spieler sollten die Wut und die Angst abzusteigen in den Augen der Fans sehen…
Das sollte der Aufbruch zur Wende sein. Durch Mannschaft und Fans ging dieser Tage ein Ruck. Keiner wollte kampflos aufgeben, Niemand das Handtuch werfen. In uns allen reifte das Gefühl: “Wenn wir jetzt bedingungslos an einem Strang ziehen, dann geht hier noch was!”
Und es sollte tatsächlich noch was gehen. Die Mannschaft kämpfte und die Fans trieben ihre Mannschaft unentwegt nach vorne. Dieser Schulterschluss, ja dieses unglaubliche Gefühl der Zusammengehörigkeit, das gibt es so in dieser Form nur auf dem Betze.
Auf dem Weg in die Geschichtsbücher wurden Augsburg, Aachen und Pauli besiegt, gegen Jena gab es am vorletzten Spieltag ein Unentschieden. Die Niederlage im Derby gegen Mainz? Geschenkt!
So kam es also am letzten Spieltag zum großen Herzblutfinale. Heimspiel gegen Köln. Ausverkauftes Haus. Man hätte meinen können, die ganze Stadt war an diesem Tag im Fritz-Walter-Stadion.
Tausende Fans standen vor Anpfiff spalier für den Mannschaftsbus und signalsierten den Spielern auf dem Weg auf den Berg: “Wir schaffen das, gemeinsam!“. Auch in der Stadt versammelten sich unzählige Fans beim Public Viewing oder in den Kneipen.
Die Ausgangslagen hätten verschiedener nicht sein können. Auf der einen Seite der FCK mit dem Rücken zur Wand, aber der riesen Chance mit einem Sieg den Klassenerhalt zu schaffen. Auf der anderen Seite der FC, der schon sicher aufgestiegen war und seinen Fans zum Abschluss noch einen Sieg gegen die Betzebuben schenken wollte.
Zu beschreiben was in diesen 90 Minuten geschah, ist fast unmöglich. Eine Gefühlsachterbahn sondersgleichen. Die Anspannung war so groß, dass viele wie gelähmt waren. Es hört sich abgedroschen an, aber man konnte sie förmlich spüren.
Die Mannschaft versucht alles, doch ein Tor will ihr nicht gelingen. Als Helmes den Pfosten trifft, hören viele FCK-Herzen für eine Sekunde auf zu schlagen. Die 3. Liga war nur ein paar Zentimeter entfernt.
Doch irgendwann fing es plötzlich an zu regnen. Allen war klar: “Der Fritz schickt uns von oben ein Zeichen!“.
Da war es wieder, das berühmte Fritz-Walter-Wetter. Solche Momente kann kein Hollywood-Drehbuchautor besser schreiben.
In der 70. Minute ist es dann soweit. Josh Simpson erlöst alle FCK-Fans und trifft zum 1:0. Im Stadion und in der Stadt brechen alle Dämme. Wildfremde Menschen liegen sich weinend in den Armen. Grenzenloser Jubel, die pure Extase. Marcel Ziemer erhöht zunächst auf 2, dann auf 3 zu 0. Die Messe ist gelesen, der FCK bleibt drin.
Noch heute kommen mir beim Anblick der Bilder die Tränen und ich erinnere mich genau an den Moment im Stadion, als der Schiedsrichter das Spiel abpfeift und der Rasen von den Fans geflutet wird.
Heute jährt sich dieses Ereignis zum vierten Mal. Auch wenn es nach der abgelaufenen Saison freilich nichts zu feiern gibt und die Stimmung auf und um den Betzenberg sicher schon einmal besser war, möchte ich diesen Tag nutzen. Ich möchte an den 18. Mai 2008, völlig abgesehen von dem was sich teilweise nach dem Spiel auf dem Platz ereignete, erinnern und “Danke” sagen.
Danke Josh, Marcel, Axel, Stefan, Tobias, Aimen, Moussa, Georges, Christopher, Sascha, Sebastian, Erik, Björn, Steffen und Milan. Ganz egal wo ihr jetzt seid, bei welchem Verein ihr spielt oder aus welchen Gründen auch immer ihr den FCK mittlerweile verlassen habt: WIR WERDEN EUCH NIE VERGESSEN!
“Läuft im Spiel mal nichts zusammen und es will und will nichts gehn. So wolln wir doch geschlossen, hinter unsrer Mannschaft stehn. Wenn am Schluss wir dann doch Sieger sind, dann wird es allen klar. Solangs in Deutschland Fußball gibt, gibt es auch den FCK”
