Der schmale Grat zwischen Gut und Böse
In der momentanen Phase etwas über unseren FCK zu schreiben und nicht gleich einen Stempel aufgedrückt zu bekommen, entweder fantastischer Optimist oder fanatischer Pessimist zu sein, ist nicht ganz einfach. Good guy oder bad guy? Die in den letzten Wochen gezeigten Leistungen ließen bei Unkenntnis der Tabelle eher darauf schließen, die Lauterer befänden sich im Abstiegs- und nicht im erweiterten Aufstiegskampf. Meine schwierige Momentaufnahme der aktuellen Situation lest ihr im Folgenden.
Womit ich mir persönlich so schwer tue, ist der Balanceakt auf dem schmalen Hochseil, auf dem alle Absender von Meinungen und Kommentaren dieser Tage wandeln. Also werde ich versuchen, beide Seiten fair zu beleuchten. Worum es geht? Na um die Frage, ob wir FCK-Anhänger uns nun glücklich schätzen sollten mit dem immer noch fünften Tabellenplatz, gerade nach der Horrorsaison letztes Jahr. Oder aber ob man nach einer Vorrunde, die man punktgleich mit dem Spitzenreiter auf Rang zwei beendet, nicht doch etwas mehr verlangen darf, als mittlerweile 13 Zähler Rückstand auf den Ligaprimus Freiburg.
Sicher, wir alle haben noch die Graupenspiele unter Kjetil Rekdal in nicht allzu guter Erinnerung. Sicher, jeder von uns erinnert sich noch an die fantastische Herzblut-Aufholjagd an den letzten Spieltagen. Und keiner wird das Abstiegsendspiel gegen den 1.FC Köln vergessen haben. Doch diese Zeiten sind vorbei. Ohne große Erwartungen und mit dem Ziel der wirtschaftlichen Konsolidierung sowie der sportlichen Stabilisierung ist der FCK in die aktuelle Saison gestartet. Und dass es dann nach acht Spielen so gut aussieht, hatten wohl nicht einmal die kühnsten Träumer erwartet. Zu diesem Zeitpunkt der Saison standen überraschend Kaiserslautern, St. Pauli und Ahlen, weniger überraschend Mainz und Freiburg in der Tabelle ganz vorne.
Doch im letzten Drittel der Hinrunde mussten die “Roten Teufel” Lehrgeld zahlen, vor allem auswärts. Niederlagen in Koblenz, Wiesbaden, Augsburg und Oberhausen sind nur schwer zu rechtfertigen. Mittlerweile ist man ein halbes Jahr ohne Auswärtssieg! Am Schluss hat man sich in die Winterpause gerettet. Was danach kam, weiß von euch jeder. Natürlich werden da Fragen laut: Gefährden die vielen Neuzugänge das Mannschaftsgefüge? Hätte man Srdjan Lakic nach seiner Verletzung aus dem Bayernspiel nicht besser erstmal geschont? War die defensive Startaufstellung auf St. Pauli wirklich die richtige? War die Auswechslung von Danny Fuchs gegen Fürth wirklich in dieser Phase, wenige Minuten vor der Pause, sinnvoll? Alles berechtigte Fragen, die sich das Duo Kuntz/Sasic stellen lassen muss. Es sollte nicht vergessen werden, wo der Verein vor genau einem Jahr stand, am bitteren Abgrund nämlich. Deswegen sind Sasic-Raus-Rufe auf jeden Fall verfrüht. Zufriedenheit sollte da sein ob der starken Hinrunde und der Tatsache, dieses Jahr auf keinen Fall etwas mit dem Abstieg zu tut zu haben. Rostock würde uns drei Enrico Kerns und eine Hansa-Kogge geben, um mit uns tauschen zu können.
Aber, und das ist ein großes Aber: Zufriedenheit hat immer auch etwas von Stagnation. Und wenn Spieler wie Dragan Paljic und Srdjan Lakic teilweise dafür kritisiert wurden, in der Winterpause und auch noch danach den Aufstieg als Saisonziel auszugeben, dann ist das unverständlich. Nach solch einer Hinrunde wäre alles andere Augenwischerei gewesen. Jetzt, am Tag 4 nach dem (ich nenne es einfach mal so) Desaster von Frankfurt, ist der Aufstieg wohl wirklich abgehakt. Wer weiß, letztes Jahr hatte uns nach acht Punkten Rückstand auf das rettende Ufer jeder schon abgeschrieben. Und die Mannschaft hat’s auf einmal wieder gekonnt – Weil der Druck weg war. Das soll jetzt keine Anspielung auf unsere aktuelle Lage sein, aber egal was passiert, ich jedenfalls bin sehr gespannt. Und hoffe auf ruhigeres Fahrwasser – auch ohne Hansa-Kogge.
Stadionwurst | Fabe | Trackback
Mehr dazu:
Ein ruhiges Fahrwasser im Wettkampfsport, noch dazu in der 2. Fußballbundesliga, unvorstellbar. Lieber fliegen zwischendurch die Fetzen und wir holen auch Auswärts wieder einmal einen Dreier.
Wenn bei uns die Fetzen fliegen rollen dirket wieder Köpfe…Einige Spieler würde man nicht vermissen, aber direkt wieder den Trainer zu feuern (obwohl offensiveres Spiel wünschenswert wäre) ist quatsch!
In Kaiserslautern gibt es traditionsgemäß nur 2 Seiten:
Überkochende Erwartungen, weil Erfolg oder tiefste Depressionen, weil Grottenfussball!
Wenn die Fetzen fliegen, müssen ja nicht gleich Köpfe rollen. Ein reinigendes Gewitter hinter verschlossenen Türen wirkt oft Wunder und kann die Energie aus einem aufgestauten Rückrundenfrust ins Positive lenken.
Lob an Fabe!
Diese Stadionwurst hat mal wieder wunderbar “geschmeckt” !
Die FCK-Blog-Freunde haben schon ewig keine mehr essen dürfen; aber das lange warten hat sich gelohnt!
Danke Fabe…
Gute und differenzierte Darstellung der aktuellen Situation. Die Argumentation des letzten Abschnitts sehe ich ähnlich und habe es hier
http://blog.my-skills.com/2009/02/26/herzblut-reloaded.html
nach dem St. Pauli Spiel dargestellt.