Die Akte Göbel
Nein, das soll keine neue Fersehserie werden. Und nein, das soll auch keine opportunistische Stimmungsmache sein. Dennoch ist es mir ein dringendes Bedürfnis, hier mal eine, oder besser gesagt mehrere “Personalien” zu diskutieren: Die Akte Erwin Göbel. Anstoß zu diesem Artikel gab dabei das Interview im Flutlicht des SWR. Dem Kaiserslauterer Vorstandsvorsitzenden wird immer wieder -zuletzt gestern vom SWR- vorgeworfen, von Fußball keine Ahnung zu haben. Dabei nehme ich mich nicht aus. In der Tat machte der 48-jährige Betriebswirt seit seiner Amtsübernahme von René C. Jäggi anno 2006 bei manch sportlichen Entscheidungen nicht immer die allerglücklichste Figur. Hat er also “keine Ahnung”?
Ein Blick in seinen Lebenslauf könnte vielleicht Aufschluss über seine sportlichen Kompetenzen geben. So studierte Göbel in Gießen Betriebswirtschaftslehre und arbeitete danach als Diplom-Kaufmann bei der Kaiserslauterer Pfaff AG, zuletzt war er Leiter der Finanz-Buchhaltung. Anschließend ging er zum FCK und wurde dort, Achtung, “Leiter des Controlling/Rechnungswesens”. Nicht unbedingt ganz nahe dran an der Profimannschaft. Aber heißt diese Distanz, dass man -wie es landläufig heißt- keine “Ahnung” vom Fußballgeschäft hat? Nicht zwingend.
Laut geworden sind derweil Stimmen, die immer wieder ehemalige Spieler wie Sportdirektor Michael Schjönberg in tragende Positionen heben wollen. Die Namen Roos und Marschall etwa kursierten schon diverse Male, egal ob es dabei um den Trainerjob der zweiten Mannschaft, den Posten des Managers oder den des Leiters der Jugendabteilung ging. Aber heißt, einmal das FCK-Trikot getragen und Erfahrung als Fußballprofi zu haben, dass man -wie es landläufig heißt- “Ahnung” vom Fußballgeschäft hat? Meiner Meinung nach nicht. Ohne jemanden angreifen oder dessen Intellekt in Frage stellen zu wollen – gewisse Kernkompetenzen sollte man schon vorweisen können. Und dazu zähle ich nicht den B-Trainerschein und das Zwischenzeugnis der nächstbesten Fernuni in theoretischer Verfahrenstechnik. Andersrum sollte jemand in der Führungsposition eines Bundesligisten auch schonmal mehr mit dem Business in Kontakt geraten sein, als es momentan in Kaiserslautern der Fall ist.
Das wäre wahrscheinlich nicht weiter schlimm, wenn Chef Göbel im Vorstand und Aufsichtsrat die ein oder andere Fachkraft zur Seite hätte. Aber um das Problem zu verdeutlichen, muss man nur mal die aktuelle Besetzung dieser Gremien betrachten:
Da wären Vorstandsmitlied Arndt Jaworski (Wirtschaftsrecht, keine Fußballerfahrung), Aufsichtratsvorsitzender Dieter Buchholz (Unternehmer, Jugendtrainer in Oberbexbach), sein Vertreter Ottmar Frenger (Personal-Referent, FCK-A-Jugend und A-Trainerschein), die Mitglieder Dr. Michael Koll (Unternehmensberater, A-Jugend FC Köln), Prof.Dr. Walter Ruda (FH-Professor, keine Fußballerfahrung), Dr. Burkhard Schappert (Arzt, A-Jugend-Südwestliga), Bernhard Deubig (Ex-OB, keine Fußballerfahrung) sowie Hartmut Emrich (Betriebswirt, Spieler TSG Wolfstein). So viel dazu. Die einzigen mit “Ahnung” sind da wohl Kjetil Rekdal und Schjönberg. Nochmal: So viel dazu.
Das alles ist sicher nichts Neues, keine neuen Fakten, musste von mir aber mal gesagt werden. Und bitte nicht falsch verstehen: Göbels Qualifikation für den Job als Buchhalter und/oder Vorstandsmitglied halte ich nicht für fragwürdig, die als Vorstandsvorsitzender dagegen schon. Und ich fordere auch keinen Putsch im Aufsichtsrat wie vor einigen Jahren angestrebt. Und schon gar keine radikale Umbesetzung, bestehend nur aus ABMs für ehemalige Spieler. Im Mai wurde die Chance zum richtigen Schnitt vertan, dann wurden Schjönberg und Rekdal verpflichtet. Nein, was ich fordere, ist einfach, sich mal Gedanken über die Situation zu machen und vielleicht davon ausgehend zu handeln. Dabei meine ich sowohl Verantwortliche als auch Fans. Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.
Stadionwurst | Fabe | Trackback
Mehr dazu:
Der redet alles schön – ich kann es nicht mehr hören!
Und gesten im DSF: “Ich weiss einige hätten lieber eine Niederlage gesehen…”
Wir brauchen Punkte – das ist was zäht
guter bericht, leider ist das Vorstandgeschäft nur noch eine geschäftliche Sache. Da fehlt die Leidenschaft.
Kompetente Finanzfachleute werden gebraucht. Aber ein Verein braucht auch Gallions-, Integrationsfiguren. Für den 1.FCK war das zuvorderst Fritz Walter, der aber schon seit den 70ern als akzeptierter Mann im Hintergrund keinen Nachfolger hat. Hier hat der 1.FCK schlecht gearbeitet. Besser hätte man vom FC Bayern gelernt. Da funktioniert die Außendarstellungen, und es gibt trotzdem Auseinandersetzungen vor und hinter den Kulissen. Den letzten Umbruch gab es 1996 nach dem Abstieg. Norbert Thines ist zurückgetreten und hat den Weg freigemacht, dabei hatte er, gemessen an seinen Nachfolgern, nur Pech. Der hätte auch schleunigst wieder mit ins Boot gehört, war aber wohl seitens seines Geschäftsgebarens zu ehrlich. Für einen wahren Neuanfang in Liga 2 fehlt uns anscheinend die Kraft (und dem FCK-Urgestein das Interesse?). Einen verfügbaren Macher mit Autorität und Herz (a la Höness oder Assauer), der es beim FCK Schaffen kann und will, den sehe ich jedenfalls nicht.
eckhard krautzun?
Nach Thines begann die zweite Ära Friedrich…
…die ja sportlich mit die erfolgreichste war. Nur was Atze & Co finanziell angerichtet haben, offenbarte sich erst Jahre später. Die Gallionsfigur oder einen “Macher” sehe ich im Moment ebenfalls nicht.
Einen “Umbruch” gab es meiner Meinung nach aber auch mit Jäggis Amtübernahme. Der war leider nur ein Sanierer, kein Fußballfachmann. Aber einen solchen (wie Thines, stimmt schon) könnten wir zurzeit wieder gut gebrauchen.
… hab Göbel gestern in DSF gesehen, der Mann ist nur peinlich. Er sollte als erstes mal lernen wie man in der Öffentlickeit auftreten tut. Da weiß ja mein Sohn im alter von 1o jahren, besser wie er sich in der Öffentlickeit verkauft.
Peinlich, peinlich Herr Göbel, aber wie sagt man, wie die Führung so die Mannschaft.
Rod
Wenn du unten stehst hast du auch alles Pech der Welt automatisch an deinen Sohlen haften.
Jeder schreit gegen den Vorstand. Warum?
Würden wir oben stehen in der Tabelle würden wohl die Herren Vorstand die Heilsbringer sein.
Aber okay, in Sachen Vorstand ist es auch wie teils in der Mannschaft.
Man identifiziert sich nicht mehr so mit dem Namen FCK wie es mal vor Jahren war.
Hier liegt das Problem. Klar kann sich ein Hr. Göbel nicht mit einem “sportwissenden” Vorstandsmitglied anfreunden. Über was bitte sollen die denn reden? Der eine würde den anderen nicht verstehen.
Und deswegen sind halt Leute im Vorstand die auf Geld (ihr Geld) achten und denen der Rest relativ egal ist.
Wenn schon ein Vorstand sich nicht identifizieren kann, wer bitte soll das denn dann tun? Die Spieler?
Die bekommen auch genug Geld und wenn der FCK absteigt, sind viele sowieso weg. Also die interessiert es wohl noch weniger als den Vorstand.
Ich kann nur was führen wenn ich davon Ahnung und Sachverstand habe. Wenn du nie Verkehrsregeln und Autofahren gelernt hast, wirst du wohl schneller einen Unfall haben als einer der von der Materie Ahnung hat und und sich Tag für Tag damit auseinandersetzt.
So ist das auch im Fußball.
Sehr guter Kommentar. Ich halte es da mit Demir Hotic, der in einem Interview bemängelte, dass auf der VIP-Tribüne unter Vorständen und Aufsichtsräten keiner über Fußball diskutiert.
Aber nochmal: Bei all diesen Dingen möchte ich nicht, dass der FCK zu einer ABM für Ehemalige wird!
Hallo,
man kann auch alles schlecht machen, wo wäre ein besserer??? und das mit dem lauterer stallgeruch ging auch bei wolfgang wolf schief, der wurde nur genommen weil es ein pfälzer sein sollte obwohl er mit dem club ganz unten war als er entlassen wurde. Wo sind die ehemaligen lauterer??? die auch was leisten können und nicht nur abkassieren wollen, vielleicht der weißbier-mario, ich lach mich tot,
gruss aus dem allgäu.
Ein Vorstand braucht nicht unbedingt ein Fußballfachmann sein. Seine Aufgabe liegt im wirtschaftlichen Bereich. Jedes Wochenende sitzen Millionen Fußballfachleute im Stadion oder vorm Fernseher und wissen alles besser. Keiner kennt die Hintergründe, warum manches im Verein nicht stimmt. Aber es wird vermutet, diskutiert und man sucht nach Schuldigen. Die sportlichen Belange liegen beim Sportdirektor und beim Trainer. Die haben meistens keine Ahnung, wie man einen Verein führt und vor allem wirtschaftlich am Leben erhält. Sollte einer dieser Bereiche entweder der wirtschaftliche oder der sportliche in einer Krise stecken, müssen die Leute zur Verantwortung gezogen werden, die dafür auch zuständig sind. Der FCK kann sich glücklich schätzen, so einen Mann , wie den Herrn Göbel an der Spitze des Vereins zu haben. Seine wirtschaftlichen Kenntnisse sind enorm. Er muss mit den Hinterlassenschaften der Saison 05/06 kämpfen. Als der mediengeile Selbstdarsteller Jäggi zu sehr sich in den sportlichen Bereich einmischte, eine Personalpolitik betrieb die wahnsinnig war und den Verein dadurch in die Misere steuerte die nun in eine Katastrophe enden könnte. Also liebe Fans, war Euch Euer Jäggi lieber, der sich immer wieder in den sportlichen Bereich einmischte und vom Fußball ja soviel Ahnung hatte und Euch in die 2. Liga führte ?Fakt ist doch, das die wirtschaftlichen Voraussetzungen um erfolgreich den Wiederaufstieg zu schaffen nach Jäggi nicht gegeben waren. Ich wünsche den FCK unter Erwin Göbel viel Kraft und alles Gute !
[...] Abend hat sich der 1. FC Kaiserslautern von seinem kaufmännischen Geschäftsführer Erwin Göbel getrennt. Der Vertrag mit dem Ex-Vorstand wurde mit sofortiger Wirkung [...]