Die Beck’sche Fanzusammenführung
28. April 2008

Die Beck’sche Fanzusammenführung

Das Studentenleben in Mainz ist kein schlechtes. Zugegeben, die Quadratmeterpreise sind in der Oberlausitz und im Erzgebirge sicher niedriger, aber im Großen und Ganzen lässt es sich doch ganz gut leben. Wären da nicht diese zwei Wochenenden im Jahr, an denen sich die Fußballvirtuosen der Metropolen Mainz und Kaiserslautern messen wollen. Zwei Derbys, die das ansonsten schöne Studentenleben in Mainz ein bisschen trüben, aber gleichzeitig auch für eine Fanzusammenführung der anderen Art sorgen.

Am kommenden Freitag ist es wieder soweit: Die geile Mainzer Truppe empfängt die in dieser Spielzeit eher ungeilen Kaiserslauterer, äh, Mannen. Schon einige Zeit lang begleitet den Exil-FCK-Fan in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt die Häme der Anhänger des Aufstiegsaspiranten, immer dann, wenn das Thema auf „Fußball“ oder „Aufstieg“ kommt. Dabei ist den Mainzern der Tabellenstand des FCK ziemlich egal: Die Worte sind dieselben wie in der Hinrunde, als der Tunnel in Richtung Liga drei noch etwas mehr Licht am Ende zeigte.

Allergisch sind und waren die Hauptstädtler nur, wenn Landes-Gelder oder andere öffentliche Mittel zur Rettung der Teufel ausgegeben werden. Vor allem beim Thema Stadion versuchen die örtlichen Medien mittels Kolumnisten gerne einmal, dem Beck’schen FCK daraus einen Strick zu drehen. So geschehen letzte Woche nach dem Mieterlass.

Dass die Mainzer Schmähungen aber nicht immer ganz ernst gemeint sind, zeigt sich spätestens seit zwei Wochen: Nach dem Spiel gegen Hoffenheim, dem spielerischen Armutszeugnis der Elf und der Wutausbrüche auf den Tribünen, mischte sich immer mehr Mitleid in die Worte der Rheinhessen. Sätze wie „Eigentlich darf der FCK gar nicht absteigen“ oder „Es langt ja, wenn ihr hinter uns steht“ fallen immer wieder, wenn über das runde Leder geredet wird. Tausendmal gehört dieser Tage auch: „Ich wünsche euch den Klassenerhalt. Aber die Punkte müsst ihr woanders holen“. Es ist eine Hassliebe entstanden zwischen FCK- und FSV-Fans. Sie können nicht mit-, aber auch nicht ohne einander. Mir geht es ähnlich. Irgendwie würde doch etwas fehlen, wenn beim wöchentlichen Freizeit-Bolzen nicht nach jedem eigenen Fehlpass auf dem Spielfeld Rufe laut würden à la „Du hast genauso krumme Füße wie euer Bellinghausen.

Sicher nicht immer ernst gemeint. Und das weiß ich auch. Wenn doch mal die Häme nagt und, sagen wir, “unsexy” wird, erlöst oft die Unterstützung anderer Fans, die sich einen Bundesligisten oder anderen Zweitligisten treu ergeben haben. Da wird dann gerne der Otto-Normal-Mainzer als Pseudo- oder Erfolgsfan hingestellt. Und dank der Übermacht aus den vielen Anhänger des FCK, des HSV, Eintracht Frankfurt, Werder Bremens, Bayern oder auch Wehen gestaltet sich das gemeinsame Fußballspiel dann doch annehmbar. Wenn nämlich die Häme auf die Nullfünfer umschlägt.

Wie gesagt, es lebt sich ganz gut als Student in Mainz.

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