14. November 2009, 11:29 Uhr

Gedanken zum Tode Robert Enkes

In den letzten vier Tagen wurde viel zum Tode Robert Enkes gesagt, geschrieben und gesendet. Berichte über sein Leben, seine Karriere und den schrecklichen Suizid, Bilder von Trauermärschen, Andachten und der weinenden Witwe, Beiträge zu Depressionen, Vergleiche mit Sebastian Deisler und Interviews mit Experten. Zeitweise berherrschte der Selbstmord des Nationalkeepers die ersten drei Topthemen bei spiegel-online. Die Suche in der ZDFmediathek liefert beim Stichwort “Robert Enke” 49 Treffer. Und in der Online-Community studiVZ hat die “R.I.P Robert Enke”-Gruppe aktuell 82.891 Mitglieder – minütlich steigt die Zahl. Es wurde vieles gesagt, geschrieben und gesendet und doch noch nicht alles. Das, was wirklich wichtig ist.

Man kann viel spekulieren über die Motive der Hannoveraner Nummer eins. Wählte er nach zähem Ringen mit sich selbst das Ende mit Schrecken, bevor der Schrecken ohne Ende weiter sein Leben regiert? Wollte er sich selbst, seine Frau und sein unmittelbares persönliches Umfeld erlösen? Oder wollte er einfach die Gesellschaft aufrütteln? Eine Gesellschaft, in der es fast nicht möglich scheint, das persönliche Befinden über die öffentliche Karriere zu stellen. Eine Gesellschaft, in der die Krankheit Depression immer noch stark unterschätzt wird. Eine Gesellschaft, in der Menschen mit Depressionen im Falle des Gangs an die Öffentlichkeit noch mehr Leiden befürchten müssen. Sebastian Deisler berichtete nach seinem “Outing” von Hänseleien der Mitspieler und anderer Mitmenschen. Schon 2006 wurde Robert Enkes Privatleben nach dem Tod seiner kleinen Tochter in die Öffentlichkeit gezerrt. Enke, der sensible und bodenständige Fußballprofi, wollte sich diese Schmach wohl diesmal ersparen. Das Karriereende und die Titelseite der BILD-Zeitung wären ihm auch auf diesem Wege sicher gewesen.

Robert Enke hat einen anderen Weg gewählt, einen, der zwar noch mehr Aufsehen erregt hat, ihm aber eine Hetzjagd durch Medien und Gesellschaft erspart. Ob es der richtige Weg war, darüber lässt sich sicher streiten. Argumente finden will ich für beide Seiten nicht, das haben die klassischen Medien schon genug getan. Klar ist mir nur, dass der deutsche Fußball mit Robert Enke eine Vorbildfigur verloren hat, wie es sie nur selten gibt. Sogenannte Experten fordern immer wieder “mehr Typen” wie Effe, Basler und Co. Ich dagegen wünsche mir mehr Robert Enkes und eine Gesellschaft, die in der Lage ist, mit solchen Themen umzugehen; in der es keine Schande ist, sich auch als Prominenter der Öffentlichkeit anzuvertrauen. Vielleicht hat Enke mit seiner Tat einen Schritt dazu beigetragen.

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11 Kommentare zu “Gedanken zum Tode Robert Enkes”

  1. René: ()

    danke euch für diesen tollen beitrag. er triffts auf den punkt.

  2. aaron: ()

    “Ich dagegen wünsche mir mehr Robert Enkes.”

    100% Zustimmung!

  3. Tillmann: ()

    Tragisch, sehr tragisch. Doch vergesst nicht, dass dies mehrere Male, jeden Tag passiert…

  4. fifilein: ()

    Das war zweifellos ein starker Abgang Enkes, sollte jedoch im Rahmen einer gewissen Vorbild-Funktion sog. Prominenter äußerst ungeeignet bleiben. Man muß sich nur mal vorstellen, welche Industrie sich um reale und eingebildete Krankheiten von Menschen etabliert hat. Wenn sich da jeder gleich vor den Zug wirft, können die alle einpacken. Die Aktion des Nationalkeepers war also egoistisch und gemeinschaftsschädlich. Jedes Verkehrsunfallopfer tut mir mehr leid, als dieser Mann.
    Deshalb muß es langsam mit diesem Torhüter-Selbstmord-Getue aufhören; man wird ja langsam depressiv.

  5. Konstantin: ()

    der oben gen. Betrag entspricht genau den Tatsachen, vielen Dank dafür.

  6. polarfux: ()

    fifi hat meiner meinung nach schon recht – auch wenn es hart klingt.jeder redet auch nur noch von robert enke – keiner erwähnt mal den/die lokführer,die sich ansehen mussten,wie sie jemanden totfahren…

    sich umbringen ist nie eine lösung;dass es ein mensch dennoch tut,zeigt wie verzweifelt/krank er sein muss.

    aber der lokführer wird vlt nie wieder einen zug steuern können,weil er diese bilder nicht mehr aus dem kopf kriegt…

    das sollte man an dieser stelle auch einmal in betracht ziehen,ob man so einen menschen nach seinem tot so “verehren” sollte.

    für mich war er ein bärenstarker torwart – aber zu beginn des jahres haben alle von adler als nr 1 gesrpochen – während bzw nach der u21 wm war die rede von neuer als unser mann bei der wm.

    und plötzlich haben wir unsere “wirkliche” nummer 1 verloren?!?!?

    das ist meiner meinung nach alles scheinheilig,und man sollte damit ganz schnell aufhören!

    enke ist tot!er hat es so gewollt!vlt hat er sich damit einen gefallen getan,aber anderen menschen hat er damit vlt das leben ruiniert!

    wie gesagt,man darf um ihn trauern – und soll das auch!
    aber einen helden aus ihm zu machen finde ich so nicht ok!

  7. Henry: ()

    Mein Gott, einen Helden. Der Mann wird doch nicht zum Helden gemacht. In Nachrufen wird natürlich immer das beste herausgehoben. Aber das einzige was dieser Mann ist, ist eine tragische Person.

  8. fifilein: ()

    Da versucht man tagtäglich, sein bischen Verstand beisammenzuhalten (fällt schwer, da der FCK immer gewinnt und die Waldhöfler immer verlieren), sorgt für die Familie, ist verläßlich, betrügt niemanden, tut sein Möglichstes bei der Arbeit, erleidet tapfer seine Zipperlein und schafft es trotzdem nicht auf das Titelbild von DER SPIEGEL. Da sieht man mal den Unterschied zum Robert Enke. In einer verrückten Gesellschaft leben wir.

  9. Robert Raquet: ()

    Herzallerliebstes fiffilein,

    weil es auf dieser Welt bzw in unserer Gesellschaft leider so viele Menschen gibt wie Dich, deshalb gab und wird es immer wieder “Robert Enkes” geben! Kannst Du Dir eigentlich vorstellen, nach dem was man alles weis über die Umstände, in welcher ausweglosen Situation, in welcher unendlichen Angst sich ein Mensch, hier war es Robert Enke, befinden muß bevor er einen solchen Schritt tut um sein Leben zu beenden!
    WARSCHEINLICH NICHT!!!!
    Robert Enke hätte sicher gerne weitergelebt!
    Ich hoffe Du, und alle die Dir zustimmen, sind keine FCK-Fans.
    So herz- und respektlos darf ein FCK-Fan nicht sein.
    Ein bißchen Respekt vor dem untadeligen Sportsmann und wertvollen Menschen Robert Enke wäre ganz dringend angebracht!
    Wenn Ihr es könnt, macht Euch einmal Gedanken!

  10. fifilein: ()

    Guter Robert,

    wäre der Enke allein auf der Welt gewesen, ohne Frau, ohne Kind, keine Eltern mehr und todkrank hätte man – vielleicht – für seinen Schritt noch Verständnis haben können. So aber hinterläßt er Leute, die sich auf ihn verlassen und ihn gebraucht haben! Wenn einer heiratet und Kinder in die Welt setzt bzw. adoptiert muß er das wissen und akzeptieren. Dann ist man eben nicht mehr nur für sich allein verantwortlich sondern auch für andere. Der Mann war kein Dummkopf sondern verbohrt in seinen Fußball und die Welt darum herum hat ihn nur nebenbei noch interessiert. Und seine Krankheit war so unbehandelbar nicht. Also: Ein starker Abgang eines Egoisten, ohne Vorbildfunktion und schon gar kein untadeliger Sportsgeist. Seinen Wert als Mensch stellt dabei niemand in Frage.
    Tut mir leid, Guter, anders kann ich das nicht sehen.

  11. Robert Raquet: ()

    Herzallerliebstes fiffilein und Sympathisanten,

    das ist mein letztes Wort:

    Bleibt so verhasst, so verbohrt und so uneinsichtig!!!
    Euch kann man doch nicht helfen!!!
    Gott möge Euch schützen……

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