20. Januar 2012, 19:59 Uhr

Kämpfen, kratzen, beißen!

Das Warten hat ein Ende. Morgen Abend rollt auch auf dem Betzenberg endlich der Ball wieder! Die Winterpause war für die Fans natürlich wie immer viel zu lang. Doch für die Verantwortlichen des 1.FC Kaiserslautern dürfte die Verschnaufpause zur rechten Zeit gekommen sein. Nach dem schlechtesten Bundesligastart in der Vereinsgeschichte und dem Hinrundenabschluss auf dem Relegationsplatz mit gerade einmal 16 Punkten, musste gehandelt werden. FCK-Blog fast für euch die Geschehnisse der Winterpause zusammen und wagt eine Ausblick auf die bevorstehenden 17 Spiele:

Die Zugänge

Sucht man nach den Ursachen für die magere Punkteausbeute bisher, so ist der Übeltäter schnell gefunden: der Angriff!
Nur 13 Mal zappelte der Ball in des Gegners Netz. Keine andere Mannschaft in der Bundesliga schoss so wenige Tore! Was also tun? Richtig, Stürmer verpflichten! Genau das taten die Verantwortlichen um Stefan Kunz auch. Mit Nicolai Jörgensen, Jakub Swierczok und Sandro Wagner gehen gleich drei neue Angreifer für den „Betze” auf Torejagd. Doch viele Fans sind skeptisch, ob die Neuen dem FCK direkt im Kampf gegen den Abstieg helfen können. Jörgensen, ein junger Däne, ausgeliehen von Bayer Leverkusen, bringt es auf 10 Bundesligaspiele und hat dabei noch kein Tor erzielt. Hinzu kommt, dass der 20 Jährige aufgrund von Sprunggelenksproblemen keines der Vorbereitungsspiele mitmachen konnte. Marco Kurz hofft darauf, dass Jörgensen beim FCK richtig Gas gibt, um es in den Kader der Dänischen Nationalmannschaft und somit zur EM zu schaffen.
Der Pole Swierczok hat diese Saison zwar bereits 12 mal getroffen – allerdings in der zweiten polnischen Liga. Es bleibt abzuwarten wie schnell sich der erst 18 Jährige in seinem neuen Umfeld und der neuen Liga zurechtfindet. In Training und Testspielen wusste “Kuba” allerdings breits auf sich aufmerksam zu machen und es ist durchaus möglich, dass er, bedingt durch die Rotsperre von Shechter, eine Alternative für die Startelf gegen Bremen ist.
Seit gestern ist auch der Transfer von Sandro Wagner in trockenen Tüchern. Der junge Deutsche kommt zunächst auf Leihbasis. Allerdings besitzt der FCK, im Gegensatz zu Jörgensen, bei ihm eine Kaufoption. 34 Bundesligaspiele und 5 Tore stehen auf dem Konto von Wagner, der 2009 gemeinsam mit Mesut Özil U21 Europameister wurde. Seit seiner erfolgreichen Zeit in der 2.Liga beim MSV Duisburg wartet der 24 Jährige, der beim FC Bayern München ausgebildet wurde, auf seinen Durchbruch. Bleibt zu hoffen, dass ihm dieser bei den Roten Teufeln gelingt. Eine direkte Verstärkung ist jedoch auch Wagner nicht: Für das Spiel gegen Bremen hat sich Werder zusichern lassen, dass Wagner nicht aufläuft.

Und dann gab´s da noch den Fall Kagelmacher: Eigentlich schien längst alles klar, zwischen dem Innenverteidiger, dessen Verein Beerschot und dem FCK. Es gab bereits eine Zusage von Beerschot Kagelmacher in die Pfalz zu verkaufen. Der Uruguayer mit deutschen Wurzeln trainierte mit der Mannschaft im Trainingslager in Spanien und kam sogar beim Testspiel gegen den PSV Eindhoven zum Einsatz. Stefan Kuntz wollte Nägel mit Köpfen machen und legte dem 23 Jährigen einen unterschriftsreifen Vertrag vor. Bereits am Dienstag erwartete man Kagelmacher in der Pfalz – doch nix da! In letzter Minute funkte der As Monaco dazwischen und bot mal eben die doppelte Ablöse für den Spieler. Das veranlasste Beerschot dazu, alle Abmachungen die zuvor mit dem FCK getroffen wurden über Bord zu werfen und Kagelmacher nach Frankreich zu transferieren. Sauber! Der FCK hat bereits einen Anwalt eingeschaltet und lässt nun rechtliche Schritte prüfen.

Die Abgänge

Die meisten der Abgänge sind für die Fans absolut nachvollziehbar und logisch. So wurde beispielsweise der Vertrag mit Stiven Rivic vorzeitig aufgelöst. Wohin es den Kroaten zieht ist noch unklar. Die Vertragsauflösung ist aus FCK-Sicht jedenfalls absolut verständlich. Nur 13 Pflichtspiele bestritt Rivic seit 2010 für Lautern und spielte schon lange keine Rolle mehr im Kader von Trainer Marco Kurz. Das wohl einzig Positive was die FCK-Fans mit Rivic verbinden, ist sein Galaauftritt vergangene Saison gegen Nürnberg. Doch es sollte bei diesem einen Ausrutscher nach oben bleiben.
Gleich zwei Akteure die noch auf dem Betzenberg unter Vertrag stehen, versuchen ihr Glück ab sofort in der 2.Liga beim FSV Frankfurt. Chadli Amri und Ilian Micanski wurden beide bis Saisonende an die Hessen ausgeliehen. In Fankreisen wurde oft moniert, dass Micancski keine Chance erhält sich zu beweisen. Doch angesichts der neuen Konkurrenz im Sturm wären die Einsatzchancen des Bulgaren wohl weiter gesunken und somit ist der Wechsel die logische Konsequenz. Amri wird auf dem Betzenberg wohl niemand so wirklich vermissen. Bis auf ein paar Dribblings mit anschließendem Ballverlust, sah man von ihm nicht viel.
Ebenso in die 2.Liga, allerdings in den Osten, verschlägt es Clemens Walch. Der Mittelfeldspieler versucht ab sofort bei Dynamo Dresden Spielpraxis zu sammeln und wurde auch bis Saisonende ausgeliehen. 5 Bundesligaspiele absolvierte der Österreicher im Dress der Roten Teufel in dieser Saison. Bleibt abzuwarten ob ihm die Zweitligaluft gut tut und er etwas reifer wieder zurück in die Pfalz kommt.
Auf Unverständnis bei den Anhängern stößt jedoch der Wechsel von Jiri Bilek nach Polen zu Zaglebie Lubin.
Der Tscheche, der gehörigen Anteil am Aufstieg 2010 hat und bei den Fans sehr beliebt ist, verlässt den FCK nach 3 Jahren. Nicht Wenige hätten lieber ihn an Stelle von Oliver Kirch im Defensiven Mittelfeld spielen sehen und es ist nicht wirklich nachvollziehbar, warum Bilek unter Kurz zuletzt nicht mal mehr im Kader stand. Trotz teilweise unterirdischen Leistungen, genießt Kirch weiterhin das Vertrauen des Trainers. Bleibt zu hoffen, dass er in der Rückrunde seine Aufstellung durch gute Leistungen rechtfertigt.

Das Fazit

Die Schwäche im Sturm wurde erkannt und man hat versucht, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln dort nachzubessern. Mit Sandro Wagner wurde zuletzt ein namhafter Neuzugang präsentiert und auch wenn weder er noch Jörgensen oder Swierzcok ihre Torjägerqualitäten in der Bundesliga bisher bewiesen haben, dürfen die Fans in der Pfalz durchaus optimistisch sein. Zusammen mit Nemec, Shechter, Sukuta-Pasu, Kouemaha und Derstroff verfügt der FCK nun zumindest nominell über 8 Stürmer! Gerade von Shechter darf in der Rückrunde mehr erwartet werden. Der Israeli tat sich zwar anfangs durchaus schwer mit der Anpassung. Allerdings erzielte er auch die meisten FCK Treffer in der Hinrunde (ja, es sind nur 3, aber 3 von 13 ist nicht die schlechteste Quote) und lies oft gute Ansätze erkennen. Gelingt es ihm seine Leistung auf einem konstanten Level zu halten und sich solche Dummheiten wie die Tätlichkeit im Spiel gegen Hannover zu sparen, wird er in der Rückrunde die erhoffte Verstärkung sein.
Ähnlich verhält es sich mit Dorge Kouemaha. Zu oft blieb der 28 Jährige unter seinen Möglichkeiten. Der bullige Kameruner zeigte zwar teilweise gute Leistungen, wie in den Spielen gegen Hoffenheim und Schalke. Doch auch er muss es schaffen, seine Spiel zu stabilisieren. Der von seinem Sturz von einem Kirschbaum wiedergenesene Adam Nemec zeigte im letzten Hinrundenspiel gegen Hannover eine klasse Leistung. Er fungierte als stets anspielbarer Ballverteiler vor und in des Gegners Strafraum und zeigte endlich Kaltschnäuzigkeit beim Abschluss. Mehr davon, Adam!
Sukuta-Pasu blieb bis auf sein Tor im Pokal gegen die Eintracht sehr blass. Bedingt durch die Neuzugänge wird er es schwer haben, Einsätze zu bekommen. Insgesamt herrscht jetzt ein deutlich härterer Konkurrenzkampf um die Plätze im Sturm! Das kann, muss und wird das Niveau deutlich anheben und die Torquote verbessern. Spannend bleibt auch die Frage nach dem System. In der Hinrunde lies Coach Kurz oft nur mit einer echten Spitze spielen. Aufgrund der Fülle an Stürmern und dem Druck endlich mehr Tore erzielen zu müssen, drängt sich nun allerdings ein System mit zwei Mittelstürmern auf. Das sollte ganz im Sinne der FCK-Fans sein.
Trotz des geplatzten Kagelmacher-Transfers bietet die Abwehr der Teufel hingegen keinen Grund zur Verzweiflung. Mit nur 21 Gegentoren stellen Rodnei und Co. die sechstbeste Abwehr der Liga. Hinzu kommt, dass Jan Simunek endlich wieder fit ist und als Neuzugang für die Innenverteidigung angesehen werden kann. Gut möglich, dass Simunek gleich morgen zum Einsatz kommt.
Alles in allem kann die Winterpause der Mannschaft nur gut getan haben. Auch wenn das Trainingslager aufgrund einiger Blessuren von Spielern nicht ganz optimal verlief, konnte ordentlich am Offensivspiel gefeilt und der Mannschaftsgeist gefestigt werden.
Wenn die Neuen sich integrieren, die Mechanismen im Offensivspiel greifen und der Abschluss endlich effizienter wird, wird der FCK die Klasse halten! Mannschaften wie Freiburg, die sich durch die Abgänge zahlreicher Leistungsträger selbst geschwächt haben, Augsburg und Nürnberg werden am Ende unter und die Roten Teufel über dem Strich stehen. Als Krönung für alle FCK-Anhänger dürfen die Betzebuben dann auch gerne die 05er aus Mainz noch hinter sich lassen. ;-)
Und falls es trotz der Neuzugänge und der neu einstudierten Spielzüge wider erwarten nicht rund läuft, helfen eben nur die alten Betze-Tugenden:

KÄMPFEN, KRATZEN, BEIßEN!

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1 Kommentar zu “Kämpfen, kratzen, beißen!”

  1. haaksbergen: ()

    “Kämpfen, Kratzen, Beißen” ist ein sehr guter und realistischer Beitrag, de meine volle Zustimmung findet.

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