Karneval im ’60-Block
Stadionwurst on tour reloaded: Da man das Gekicke der “Hellrosa Teufel” momentan ja leider nur im Delirium ertragen kann, dachte ich mir als Exil-Lauterer in Mainz, gehst du am Donnerstag mal in die Bruchbude und gibst dir das Topspiel der zweiten Fußballbundesliga. Das lautete bekanntlich FSV Mainz 05 gegen den TSV 1860 München – wenn schon wir nicht aufsteigen, dann doch bitte wenigstens unsere Fanfreunde aus der bayrischen Landeshauptstadt. Außerdem sollte mir das Spiel eine gute Möglichkeit bieten, die beiden Fangruppen mit der unserer, in die Kritik geratenen, zu vergleichen. Und auch mit den Wisla-Fans vom letzten Ausflug. Gesagt, getan, pünktlich um viertel nach Acht stand ich also im Löwen-Block (!), unweit vom Spielfeld entfernt.
Was dort in den ersten dreißig Minuten abging, war allerdings ähnlich unerfreulich wie das, nun ja, nicht gerade auf Damen-Weltmeisterschafts-Halbfinale-Niveau stattfindende Spiel auf dem Rasen. Völlig unorganisiert kam mir der Löwen-Anhang vor: Drei oder vier oder vielleicht auch fünf verschiedene “Einheizer” präsentierten sich auf dem Zaun. Ob sie den Namen allerdings wirklich verdient hatten, ist die andere Frage. Die angestimmten Gesänge erinnerten doch sehr an Bill Murrays Paraderolle in “Täglich grüßt das Murmeltier” – bei dem monotonen “Sechzig!” stimmten noch die meisten Anhänger ein. Das Hauptproblem: Weder Trommeln, noch ein Megaphon, mit dem auch die anderen TSV-Fans hätter erreicht werden können, fanden den Weg ins Stadion. Auf meine Nachfrage hin erzählte mir ein “Löwe”, die Trommler seien noch unterwegs. Hm…
Erst kurz vor der Halbzeitpause trafen sie dann tatsächlich ein, doch die sehr angeschlagene Stimmung konnten auch sie nicht mehr retten. Zumindest in den restlichen fünf Minuten vor dem Seitenwechsel. Um sich einzuschlagen und -zusingen, donnerten die Trommeln und sang der etwas korpulente Einheizer dann auch noch die ersten zwei, drei Minuten nach dem Pausenpfiff, dann erstummten sie wie Doof und Dick in ihren stummsten Stummfilmen. Als dann die beiden Teams wieder zurück auf das Feld marschierten, machten die Löwen-Fans dann endlich Stimmung. Trotzdem erreichte diese, trotz auch meiner tätigen Mithilfe, niemals bereits bekanntes Niveau. DAS erinnerte dann schon mehr an die Frauen-WM…
Eines muss man den Sechzigern aber zu Gute halten: Ihre Mannschaft tat aber auch gar nichts, um die Fans in Partylaune zu versetzen, ganz im Gegenteil: Nicht eine ernsthafte Torchance konnten die Münchner verbuchen. Stattdessen dominierte der FSV nach Belieben. Nach etwa 70 Minuten meinte ein Löwen-Anhänger, er müsse einen Meter links von mir eine Rauchbombe zünden, was ich nicht unbedingt ganz toll fand, aber gut. Die unzählig aufgenommenen Handy-Videos dürften mittlerweile bereits bei YouTube kursieren. Die letzten zehn Minuten verbrachten die Fans vor mir mit Pogo-”Tanzen”, und trotzten damit der schwachen Leistung ihrer Mannschaft. Fanden ich und meine Begleitung auch nicht gaanz super, aber auch hier ein “okay”. Nach dem Motto “Und wir feiern trotzdem” legten die Löwen immerhin eine heiße Schlussphase hin.
Fazit: Auch nach einem schlechten Spiel ihres Teams ließen sich einige Sechziger nicht vom Feiern abhalten, der Großteil jedoch war nicht mit der Leistung einverstanden und zeigte dies auch deutlich. Also kaum anders als auf dem von der Rheinpfalz als “Problemberg” titulierten “Betze”. Die Mainzer Fans machten dagegen natürlich gut Party, auch wenn ihnen das angesichts des Spielstandes auch recht leicht fiel. Interessant wäre die Stimmung wohl nur bei einem zwischenzeitlichen Ausgleichtreffers geworden. Der fiel aber nicht, und die 05er fielen daher auch nicht in Lethargie. Nicht so wie bei uns Teufeln teilweise auf der Haupt- und Südtribüne, nein, das ganze Stadion klatschte mit und auch die Löwen pfiffen nicht beim Mainzer “You’ll never walk alone”. Was dem Stadionsprecher auch ein paar lobende Worte für die Münchner abverlangte. Und das war mit das Positivste an diesem Abend.
Hinweis:
Hier gibt es Handy-Videos zum Download.
PS: Bitteschön, Polarfux!
Stadionwurst | Fabe | Trackback
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guter bericht, ich seh ja ganz schwarz für die derbys. Also die MÜSSEN gewonnen werden, egal auf welchem Tabellenplatz man steht.
ahah…sehr geil fabe.
ich hab schon sehnsüchtig gewartet und dachte du hättest es vergessen….DANKE!
wiedermal eine gelungene stadionwurst!
Jetz muss ein Neuanfang gemacht werden . Am besten mit neuem Trainer un dann zurück zu alter Stärke !!!
[...] einiger Zeit Abstinenz kehrt die Stadionwurst zurück, und sie hat einiges erlebt. Sie war nämlich mal wieder auf Tour, und dieses Mal so weit weg vom Betzenberg wie noch nie. In einem Land vor unserer [...]