Kurpfusching für Fortgeschrittene?
Wer Mediziner werden möchte, dem werden von Beginn an immer wieder Steine in den Weg gelegt. Das fängt mit dem hierzulande fast schon unheimlich niedrigen Numerus Clausus an den Hochschulen an und hört nicht zu selten mit niedriger Bezahlung auf. Nicht umsonst streikten vergangenes Jahr hunderte Klinikärzte für mehr Lohn.
Nun ist Dr. Stefan Thaler, seines Zeichens einer der drei Mannschaftsärzte des 1.FC Kaiserslautern, zwar kein Klinikarzt und dürfte dementsprechend auch keinen allzu großen Liquiditätsengpass haben, aber dennoch wird er zurzeit nicht vollends mit einem Beruf zufrieden sein. Und dabei soll nicht wie vorige Woche auf den „teuflischen“ Virus angespielt werden, denn Dr. Thaler ist Röntgenologe und daher nicht wirklich ein Influenza-Fetischist.
Nein, es geht um Sebastian Reinert, oder wie er in der Mannschaft gerufen wird, um „Steiner“. Der bald 20jährige Shootingstar des Jahres 2006 verletzte sich im Trainingslager bei einem Zweikampf mit Stefan Lexa, oder besser: er wurde verletzt. Nur ein dummer Zufall, dass der gestandene österreichische Internationale, der in der Hinrunde oftmals hinter Reinert nur zweite Wahl war, seinem Hauptkonkurrenten eine nicht näher definierbare Blessur zufügte? Nun, Reinert wurde jedenfalls zunächst mit Verdacht auf Wadenbeinbruch in ein spanisches Krankenhaus eingeliefert; diagnostiziert wurde dann aber -dem Teufel sei dank- „nur“ eine Wadenbeinprellung. Vier bis sechs Wochen Pause, hieß es. Lexa war wieder Stammspieler – und zeigte prompt warum er auf der rechten Seite bestenfalls die Nummer zwei ist: wenig ordentliche Spiele, wenig Torgefahr, und noch weniger Einsatz.
Reinerts Leidenszeit ging unterdessen weiter, Anfang Februar war von noch „zwei bis drei Wochen“ Pause die Rede. Das war wie gesagt Anfang Februar, als die Lauterer Ärzte plötzlich und unverhofft mit der Nachricht herausrückten, Reinert habe sich einen „Haarriss“ zugezogen. Och, auf einmal? Nach anderthalb Monaten Behandlungsdauer für die falsche (!) Verletzung? Klingt komisch, ist aber so. Zugegeben, eine Grippe ist sicher leichter zu diagnostizieren als ein Haarriss, aber dennoch bleibt ein fader Beigeschmack. Heute, Mitte März, absolvierte „Steiner“ wieder mit dem Team Trainingseinheiten, fühlte sich auch schon fit für einen Kurzeinsatz gegen „Sechzig“. Doch Wolf vertröstete ihn zumindest einmal auf die nächste Woche. Wenn er dann irgendwann endlich wieder auf dem Platz steht: unbezahlbar.
Medizinerirrtümer gibt es immer wieder, und nicht zuletzt auch im Fußball. Dortmunds Keeper Roman Weidenfeller beispielsweise fiel in der Saison 04/05 wegen eines Muskelfaserrisses für fast ein halbes Jahr aus; Roque Santa Cruz wurde bei den Bayern in seinen jungen Jahren auf die falsche Knieblessur behandelt. Andererseits geschehen scheinbar auch immer wieder Zeichen und Wunder wie bei Fabian Schönheim, der sich in der in der Hinrunde (wohlgemerkt vor seiner Knieverletzung) ebenfalls einen „Muskelfaserriss“ zuzog und die darauffolgende Woche schon wieder im Kader stand.
Natürlich ist die Schuld nicht alleine bei der ärztlichen Abteilung zu suchen: Verletzungspech kommt dazu, und vielleicht sogar falsches Training. Zu Beginn der letzten Saison, als „auf-immer-und-ewig-Assistent“ Michael Henke mit seinem Wunderfitnesscoach Zvonko Komes in der Pfalz aufmarschierte, hatte der FCK deutlich weniger Verletzte zu beklagen. Nicht lange nach Henkes Abgang wurde der Mann von Ciriaco Sforza nach Luzern gelotst, und seitdem herrscht in den Kaiserslauterer Spitalen wieder Hochkonjunktur. Purer Zufall?
Stadionwurst | Fabe | Trackback
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Schöner Artikel, ist doch einiges Wahres dran…