Stadionwurst on Tour – Husterhöhen und -tiefen
Ob die Spieler von Bayer Leverkusen vor der Erstrundenauslosung im DFB-Pokal wussten, wo genau eigentlich die Stadt Pirmasens liegt? Nun ja, zumindest der Busfahrer der Rheinländer dürfte es nun ganz exakt wissen, schließlich musste er die Bundesligaelf gestern zur ziemlich lästigen Pokalpflichtaufgabe nach Pirmasens kutschieren, wo sich Leverkusen 45 Minuten sehr schwer tat, dann aber richtig loslegte und dank einbrechender FKPler elfmal einnetzte. Stadionwurst on Tour beim DFB-Pokaldebakel auf der Husterhöhe.
Pirmasens = Provinz. Wenige deutsche Städte sind so bekannt und gleichzeitig unbekannt wie die alte Schuhmetropole in der Pfalz. Neben dem Busfahrer kann aber getrost noch zwei weiteren Leverkusenern zugetraut werden, bereits schon einmal in Pirmasens gewesen zu sein: Den beiden Ex-FCK-Spielern Michael Ballack und Sidney Sam. Ob Ballack gestern aber tatsächlich auch im Stadion Platz nahm – schließlich ist er noch nicht vollständig fit – konnte ich nicht feststellen. Zugegeben, meine Position war inmitten der Gästefans nicht die beste und der Blick auf die Haupttribüne daher nicht ganz einfach, aber wenigstens Sidney Sam habe ich auf dem Feld erkennen können. Dass ich unter dem Bayer-Anhang das Spiel verfolgte, lässt übrigens keine Rückschlüsse auf meine Sympathien zu; nur zu gerne hätte ich dem Oberligisten eine Überraschung gegönnt.
Die blieb zwar aus, aber: Selten habe ich in einem Fußballspiel zwei derart unterschiedliche Halbzeiten miterlebt. Im ersten Durchgang war “die” Klub drauf und dran, dem Favoriten ein Bein zu stellen, spielte hinten meist souverän und frech nach vorne. Trotzdem führte Bayer mit 1:0 zur Pause, weil Pirmasens zu viele Standardsituationen zuließ und die Abseitsfalle einmal missglückte. Aber dieser Wandel in den 15 Minuten Pause?! Als Leverkusen nach nur einer gespielten Minute das zweite Tor schoss, war nicht nur der Bann, sondern auch der Willen der Platzherren gebrochen, vor den 9000 Zuschauern im “städtischen Stadion Pirmasens” eine gute Figur abzugeben. Eigenständig stellten die FKP-Spieler ihr Spielsystem auf “1-5-4″ um, wenigstens hatte es so den Anschein. Dass die Bayer-Elf nach der schwachen Vorstellung in Halbzeit eins nun einiges gut zu machen hatte, das war klar. Aber auch ein Fünftligist muss in der Lage sein, die Innenverteidigung zusammen zu halten. Ich weiß nicht, wie viele der weiteren zehn Tore ausschließlich über die Mitte eingeleitet wurden, gefühlt waren es alle. FKP-Keeper Frank Steigelmann war nicht zu beneiden, im Sekundentakt liefen die Bayer-Spieler alleine auf ihn zu.
Der Wandel im Spiel sorgte übrigens auch für einen Wandel auf der Gästetribüne. Flüchteten sich die enttäuschten Leverkusen-Fans im ersten Abschnitt noch in Jubelarien auf ihren Trainer (“Jupp Jupp Jupp”) und sangen Loblieder auf ehemalige Spieler (“Carsten Ramelow”, “Schneiderbernd”, “Pauloooo Sergio”), wurde nach dem Seitenwechsel, wohl auch, weil alle weiteren zehn Treffer direkt vor der Gästekurve fielen, jeder aktuelle Spieler bejubelt (“Sidney Sam”, “Arturo Vidal”, “Derdiyok, Derdiyok”). Jeder Spieler? Halt! Ein Bayer-Löwe zog fast ausschließlich hämische Gesänge auf sich: Hanno Balitsch. Offensichtlich ist es auch für Bayer-Insider nicht nachzuvollziehen, warum der Routinier angesichts der Überangebots im zentralen Mittelfeld (Ballack, Rolfes, Bender, Augusto, Vidal, Castro, Reinartz und Co) zurückgeholt wurde. “Hallo, Hanno” schallte es daher von der Tribüne, als der Ex-Hannoveraner zum warmmachen geschickt wurde – mit leicht betröppelter Miene. Getoppt wurden diese Rufe nur noch vom “traditionellen” Schlachtgesang der Fans, die die Herkunft ihres Clubs zu gerne unterstreichen und singen:
Wir schlafen nicht auf Kissen, wir schlafen nicht auf Stroh! Wir schlafen auf Tabletten, das ist bei Bayer so!
Ach ja, die Stadionwurst habe ich natürlich auch getestet und für absolut gut befunden. Nur: Dass zwei Würste zum Preis von einer erhältlich waren (zumindest war das bei meiner Kassierin so), ist wohl nicht im Sinne des klammen Fünftligisten. Eine von wenigen “Hustertiefen” auf der Husterhöhe an diesem Tag, klammert man mal die zweiten 45 Minuten elegant aus. Aber immerhin wissen die Leverkusener jetzt, wo Pirmasens liegt. Und dank des 11:1-Sieges bleibt Bayer weiterhin auf Kurs Richtung Saisonziel: Und das kann in diesem Fall ja nur “Vizepokalsieger” heißen…
Stadionwurst | Fabe | Trackback
Mehr dazu:
hahaa. sehr schön
ja 11 Tore gegen Pirmasens sagen wenig über den Zustand der Mannschaft aus. Ich glaub ja nicht, dass es für Leverkusen so weit geht diese Saison…