Vorbericht: FC Köln – 1. FCK
18. August 2010

Vorbericht: FC Köln – 1. FCK

Axel vom Blog “Der vierte Offizielle” schreibt heute den Vorbericht zur Partie am Samstag in Köln. Die Lautrer-Sicht auf den Bundesligastart gibts hier auf dervierteoffizielle.de zu lesen.

Wolfgang Overath ist es ernst, sehr ernst mit seinem „Effzeh“. Der Sommer wurde genutzt um den 170 Mitarbeitern des Vereins ein neues Wort beizubringen: Leitkultur. „Wir sind der 1.FC Köln“ prangt in großen Lettern auf den T-Shirts, die die Belegschaft am Tag der Saisoneröffnung spazieren führen darf. Leider vergaß der FC, dass nicht nur 170 Hauptamtliche den Verein ausmachen, sondern auch 51.858 zahlende Mitglieder, eine ganze Stadt, ein treue Fanbasis, ein leidensfähiges Umfeld dazu gehören.

So wurde die Vorbereitung zu einem Spießrutenlauf für die Fanseele, denn der Club machte das, was er in den letzten 15 Jahren perfektioniert hat, dem Anhänger vor den Kopf zu stoßen. Kurz nach der WM wurden die neuen Trikots vorgestellt und innerhalb von Stunden verdunkelte sich der Himmel über der Stadt. Auswärts wird die erste Mannschaft diese Saison in einem weißen Trikot mit schwarzen Ärmel auflaufen. Proteststürme, Facebook-Initiativen, persönliche Beschwerden, es hilft alles nix, wir spielen auf fremden Plätzen in Gladbacher Farben. Der FC steht in dieser Stadt so weit über allem anderen, dass diese vermeintliche Nichtigkeit das dominierende Thema des Sommers war. Aber, es passt ganz einfach in die Reihe von Fehlleistungen der letzten Jahre, der Vorstand ist so unendlich weit vom Volk entfernt, die Parolen werden Jahr für Jahr gebetsmühlenartig wiederholt, der Fortschritt ist gleich null. Um wenigstens ein wenig Aufregung zu spüren, haben sich die Fans also den Protest gegen die Trikots ausgesucht, der Rest macht eh keinen Sinn. Ich muß gestehen, dass ich ebenfalls davon betroffen bin. Die Hoffnung auf Besserung habe ich bei den handelnden Personen längst aufgegeben, dann kann ich ihnen wenigstens vor der Latz knallen was ich von ihnen halte. Ich meine, ihr wärt doch auch nicht begeistert, wenn der FCK auswärts in Waldhöfer blau-schwarz aufläuft, oder?

Doch, letztlich müssen wir zugeben, dass das Entscheidende nicht in Marketing-Meetings, sondern immer noch auf dem Platz geschieht. Also rafft man sich doch auf, um der Mannschaft eine weitere Chance zu geben, was soll man auch machen?

Nachdem in der letzten Saison die größte Überraschung die Nicht-Entlassung von Trainer Z. Soldo war, ein gehemmter Angriff rund um die nicht-harmonierenden Novakovic und Podolski für Kopfschütteln unter den Anhängern sorgte, soll nun dieses Jahr, wie immer, alles besser werden. Viel Geld konnte nicht in die Hand genommen werden, im Gegenteil. Um eine Finanzlücke von ca. fünf Millionen Euro auszugleichen mussten Lizenzen verkauft werden, teure Transfers waren ausgeschlossen. Das wirkliche Problem ist aber gar nicht so sehr, dass man sich keine neuen Spieler leisten kann, sondern dass der aufgebläht Kader nicht ausdünnt. Mit langfristigen Verträgen ist das aber auch so eine Sache. Mit Beginn der Saison kehren die ausgeliehenen Wilfried Sanou und Marvin Matip aus Urawa bzw. Koblenz zurück, Manasseh Ishiaku, Sebastian Freis, Miso Brecko, Carsten Cullmann, Kevin Pezzoni und Daniel Brosinski sind nicht vermittelbar. Das sind acht Spieler, die keine Rolle bei einem Erstligisten spielen dürfen und nur Geld fressen. Mit dem Abgängen von Maniche und Pierre Womé spart man zwar ein wenig, aber anstatt dieses Geld in den famosen Zoran Tosic zu investieren musste der Finanzvorstand Geld beiseite legen um den Mannschaftsetat zu sichern. Das Umfeld ist schon lange unzufrieden mit dieser Situation, ändern wird sich aber so schnell nichts, denn in diesem Jahr wurde wieder „merkwürdig“ eingekauft. Mit dem Griechen Konstantinos Giannoulis aus Thessaloniki kommt ein (höchstens) Zweitligaspieler, mit Andrézinho aus Guimarães ein Freund von Pedro Geromel, der bisher nicht den Anschein einer Alternative zu Brecko auf rechts macht (so traurig das ist), mit Martin Lanig vom VfB kommt ein Langzeitverletzter, der in den Testspielen einen furchtbar lustlosen Eindruck hinterließ und mit Mato Jajalo hat man sich einen Kroaten vom Absteiger aus der Seria A Siena gekauft, der angeblich ein kreativer Allrounder sein soll. Leider hat man davon auch noch nicht viel gesehen aber wenigstens spricht er die Sprache des Trainers. Dazu kommt dann noch der bereits letzten Winter verpflichtete Alexandru Ionita aus Bukarest, hinter dem angeblich halb Europa hinterher war, aber, was haben wir im Januar gelacht als er sich dann für Köln entschieden hat und damit klar war, dass mache Nebelkerze eine ziemlich kurze Brenndauer hat. Naja, ich will mal nicht zu voreilig sein, aber richtig Hoffnung auf einen Knaller habe ich bei diesem jungen Mann leider auch nicht. So bleibt die Hoffnung auf den Durchbruch der jungen Eigengewächse, die aus den Jugendmannschaften des Vereins den Sprung zu den Profis wagen, die beiden U17 Europameister Bienvenue Basala-Mazana und Reinhold Yabo, der 20jährige Stephan Salger und als weitere Ergänzung der 18jährige Christopher Buchtmann aus Fulham sorgen auf dem Papier für frischen Wind. Zudem kommt in der Saison der letztes Jahr schwer verletzte Christopher Schorsch zurück, genauso wie Adil Chihi, der hoffentlich von weiteren Abrissen ganzer Körperteile verschont bleibt.

Der Schwachpunkt der Mannschaft ist seit langem das offensive Mittelfeld. Was haben wir nicht alles probiert. Nichts hat gefruchtet. Dieses Jahr will Soldo ohne Doppel-Sechs sondern mit einem relativ klassischen 4-4-2 und Raute spielen lassen. Vor Torhüter Mondragon sind Youssef Mohamad, Kevin McKenna (in Vertretung des verletzten Pedro Geromel) und Stephan Salger gesetzt. Auf links hinten muss man schauen ob Andrézinho sich gegen Miso Brecko durch zu setzten vermag, im Moment wird der Slowene noch die Nase vorn haben.

Im Mittelfeld gibt es einen Gewinner und gleich zwei Verlierer der Vorbereitung sowie zwei Neue, die sich ihren Platz in der Stammelf gesichert haben. Die Nummer eins auf der Spielmacher-Position ist (der 20jährige) Taner Yalcin, auch ein Eigengewächs, davor wird Petit den Sechser geben, auf links Jajalo, auf rechts Lanig. Dazu kommen Podolski hängend und Novakovic als zentraler Stoßstürmer.

Das liest sich gar nicht so übel aber es wird in erster Linie auf die Ausrichtung der Mannschaft ankommen. Spielen wir wie letzte Saison in erster Linie um Tore zu verhindern oder wagt der Trainer den nächsten Schritt und lässt auch mal offensiven Fußball spielen? Bereits das erste Spiel gegen den FCK sollte die Richtung vorgeben, denn es gilt einiges gut zu machen in Köln Müngersdorf. In den letzten Jahren hatten die Heimfans nichts zu lachen. Ganze drei Heimsiege in anderthalb Spielzeiten sind dann auch der eher partylastigen kölschen Seele zu wenig. Bisher ist in diesem Sommer aber noch nichts passiert, was Hoffnung auf Besserung verspricht. Die Vorbereitung, die Testspiele waren grausam bis hochnotpeinlich, ein einziges relativ überzeugendes Match gegen Sampdoria Genua zum Ende hin, der Rest war Schweigen. Letzten Sonntag dann der Auftritt im Pokal beim Viertligisten Meuselwitz der zwar einigermaßen souverän aber glanzlos daherkam. Nach schneller Führung durch Yalcin gelang Novakovic sein erstes Pflichtspieltor in dieser Saison kurz vor der Halbzeit und damit war der Drops dann eigentlich schon gelutscht. In der zweiten Hälfte hatten die Amateure nicht mehr viel zu entgegnen, zwei, drei Schüsse aufs Tor, der FC beschränkte sich auf Ergebnisverwaltung und damit wurde es eine unansehnliche Partie ohne weitere Höhepunkte. So etwas wird in der Kölner Presse als Pflichtsieg verbucht und man konzentriert sich weiter auf´s Messer wetzten. Ich weiß aus erster Hand, dass es eine Wette zwischen einem EXPRESS- und einem BILD-Redakteur gibt ob man Soldo bereits im Herbst oder erst im Winter weggeschrieben haben wird. Der Trainer hat es nicht leicht in der Stadt.

Jetzt geht also die Bundesliga wieder los. Zum Auftakt gegen den Aufsteiger aus Kaiserslautern, zwei Traditionsvereine, die bessere Zeiten hatten und hoffentlich wieder haben werden. Die Bilanz gegen die Pfälzer fällt insgesamt negativ aus, 21 Siegen stehen 34 Niederlagen gegenüber, in den letzten zehn Jahren konnte der FC sogar bei zehn Spielen nur ein einziges Mal als Sieger vom Platz gehen. Vielleicht kommt daher meine latente Skepsis, was einen glanzvollen Auftakt meiner Mannschaft angeht. Ich erwarte eine kampfbetonte Partie, vielleicht sogar rau, kaum Strafraumszenen und wenige Tore. Aber, hey was weiß ich denn? Vielleicht sehen wir auch ein 5:4, ich irre mich ganz gerne mal, was den Fußball angeht. Ich hoffe auf jeden Fall auf eine einigermaßen entspannte Saison, Platz 11-14 halte ich für realistisch aber sicher bin ich nicht. Sollten noch ein paar Verletzungen dazu kommen, kann der FC ganz schnell in Abstiegsgefahr geraten. Ich hoffe aber immer noch, das es besser wird. Wie jedes Jahr. Trotz Allem.

1. Liga | Sebastian | Trackback

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7 Kommentare zu “Vorbericht: FC Köln – 1. FCK”

  1. …und wie er die Welt sieht: FC – FCK « Der vierte Offizielle: ()

    [...] versprochene Vorbericht aus der Pfalz von Thilo aus dem FCK-Blog. Meine Sicht der Dinge findet Ihr dort, also bitte hinklicken. [...]

  2. jason: ()

    Interessante sichtweise, Köln ist aber meiner Meinung nach diese Saison unberechenbar. Am Samstag könnte es auch schnell 0:3 für uns stehen (oder umgekehrt)…

  3. Andre: ()

    “Auf links hinten muss man schauen ob Andrézinho sich gegen Miso Brecko durch zu setzten vermag, im Moment wird der Slowene noch die Nase vorn haben.” … du meinst doch sicher rechts hinten oder baut Soldo schon wieder um ;)

    Bissl arg negativ deine Einschätzungen. Lanig und Jajalo haben bisher gute Ansätze gezeigt. Die werden sich aber noch endgültig finden müssen. Zur Not haben wir ja Matuschyk in der Hinterhand. Mit Yalcin haben wir endlich einen Mann auf der Zehn, der die Spitzen einzusetzen versucht und selbst den Abschluss sucht.

    Sicher darf man sich beim Eff Zeh leider nie sein. Von 10 bis 18 ist alles möglich. Ein Sieg zum Saisonstart würde deshalb schon besonders wichtig sein!

  4. Moe: ()

    Sag mal hast du überhaupt irgendeine Ahnung vom FC?

    Sanou istnoch in Urawa und Matip war an Karlsruhe ausgeliehen, nicht Koblenz.

    Lanig kannst du nicht einmal in den Testspielen gesehen haben, wenn du seine Auftritte als lustlos beziechnest.

    Jajalo spricht nicht nur die Sprache des Trainers, sondern auch fließend deutsch, weil er 5 Jahre in Deutschland gelebt hat!

    Danach habe ich aufgehört zu lesen…junge, junge

  5. Stephan: ()

    Auch ich bin aus dem Staunen nicht mehr raus gekommen bei diesem Kommentar den die Dörfler eifrig in Ihren Blogs und Foren verbreiten…

    Wieso bist du eigentlich Fan des 1. FC Köln? Nur damit du immer wieder alles schlecht reden kannst?

    Die Leute, die dort verantwortlich sind, haben mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit mehr Fußball-Sachverstand als wir alle hier. Ich habe mich zu Studienzeiten mal damit beschäftigt und vieles von dem was da abläuft bekommen wir doch gar nicht mit. Das ganze Thema ist deutlich komplexer. Daher würde ich mir niemals anmaßen einen solchen Bericht zu schreiben mit so wenig Hintergrundwissen (und so vielen offensichtlichen Fehlern).

    Der FC ist die große Unbekannte in diesem Jahr. Kaum ein Fussballexperte (außer Mario Basler) hat sich wirklich getraut eine Bewertung für den 1. FC Köln abzugeben und ich rate jedem, erst mal die ersten Spieltage abzuwarten und dann werden wir ja sehen ob eher das Spiel gegen Windeck oder das Spiel gegen Genua richtungsweisend gewesen ist.

  6. Sabrina: ()

    Vielleicht spricht der Herr ja auch nur aus Erfahrung als langjähriger FC-Fan. Und wenn man das jahrelang mitmacht und trotzdem immer wieder voller positiver Erwartung in’s Stadion geht und den Club nach wie vor unterstützt, wie keine 2. Stadt in Deutschland Ihren Club unterstützt (St. Pauli mal ausgenommen), dann darf man vielleicht auch mal negativ schreiben. Ein gebranntes Kind scheut schließlich das Feuer. Und trotzdem steht die Stadt nach wie vor hinter dem Club wie ne Eins… Da kann sich manch einer mal ein Beispiel daran nehmen.

  7. axel: ()

    @Andre: Du weißt doch was ich meine :-)

    @Moe: Ja jut, der Marvin war beim KSC, das meinte ich doch, ich schrieb nur Koblenz. Sanou wurde vom EXPRESS als zurück gemeldet, aber im Kader steht er nicht, gut, hätt ich mal reingucken können. Wenn Du Lanig gegen die Bayern, den HSV (zusammen ein Paß)und im Pokal (nochmal ein Paß) gesehen hast, da finde ich kann man schon von einer gewissen Lustlosigkeit sprechen.

    Ach, @Stephan: Was maße ich mir denn groß an? Wenn ich das lese, Herrjeh …ich bin Fan, das ist meine Meinung. Ich gehe mein Leben lang zu diesem Club, trotzdem muss ich nicht alle Protagonisten bedingungslos unterstützen. Ich kann Soldo, Overath und Co. nicht leiden und möchte sie eher heute als morgen weg sehen. Was ist denn schon dabei? Das hat nichts mit “immer alles schlecht reden”, sondern viel mehr mit enttäuschten Erwartungen und einem ganzen Haufen wahnsinnig schlechter Spiel zu tun sowie der Erwartung dass es unter diesem Trainer und diesen Verantwortlichen nur schlimmer wird.

    Ich weiß halt nicht genau warum wir dieses Jahr “die große Unbekannte” sein sollen. Hat sich was getan? Spielen wir jetzt nach vorne? Ich glaube nicht, Tim.

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